
Ethik und Moral in der Landwirtschaft
Eine besonders schwerwiegende Dekadenz hat der Mensch durch sein Verhalten in der Landwirtschaft bewirkt. Ethik und Moral bedeuten in ihrem tiefsten Ursprung Ehrfurcht vor dem Leben. Der berühmte Philosoph, Arzt und Musiker Prof. Dr. Albert Schweitzer sagte: „Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet Abscheu vor dem Töten.“
Was die Menschen in den letzten 100 Jahren der Natur aufgezwungen und angetan haben, ist im wahrsten Sinne des Wortes unermesslich. Durch das Anlegen riesiger Monokulturen, die einen größeren Profit bei der Ernte ermöglichen, durch das Abtöten des mikroskopischen Bodenlebens mit Pestiziden und Fungiziden und das jahrzehntelange Düngen mit Chemie und tierischen Fäkalien ist der Boden völlig verseucht und widerstandslos geworden und vermag jetzt kaum mehr Frucht zu bringen. Die Habgier und Profitgier der Menschen sowie die weltweit immer größer werdende Nachfrage nach Fleisch und den damit verbundenen explosionsartigen Bedarf an Futtergetreide für die Schlachttiere hat die Böden auf dem gesamten Erdenrund in allen Kontinenten ausgelaugt und ihre Lebenskraft erschöpft.

Anstelle einer friedfertigen Landwirtschaft ist fast weltweit eine schlachtgeile unersättliche Tierwirtschaft entstanden, die unsägliches Leid über die Mitgeschöpfe des Menschen bringt. Man wird den Eindruck nicht los, dass die landwirtschaftliche Planung und Tätigkeit immer mehr nur noch darauf abzielt, die Ernteerträge zu maximieren, damit das Schlachtvieh genug zu fressen bekommt, um in kürzester Zeit das Schlachtgewicht zu erreichen. Denn wir Menschen stehen in den Metzgereien und Supermärkten Schlange, um unser „heißgeliebtes“ Rindsfilet, Schweinelendchen, Kalbsschnitzel, Lammkotelett oder Brathähnchen zu kaufen. Was bleibt dem Berufsstand der Metzger anderes übrig, als zu versuchen, die Nachfrage zu decken?

Es ist schizophren: Die moderne Landwirtschaft produziert mit gigantischem Aufwand bis hin zur Genmanipulation „Nahrungsmittel“ und „Techno-Food“, die nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung und diesen obendrein ungesund ernähren und lässt gleichzeitig die Mehrheit der Menschen auf demselben Planeten darben und verhungern, weil sie nicht in der Lage ist, genügend gesunde Nahrungsmittel für alle zur Verfügung zu stellen. Da kann doch irgendetwas nicht rechtens sein!
Bewusstes verantwortungsvolles Leben heißt, sich Rechenschaft abzulegen darüber, was wir selbst in Anspruch nehmen:
Sind wir uns bewusst ...
Sind wir uns bewusst, in welchen grausamen Legebatterien die Hennen ihre Eier „produzieren“ müssen? Kaum nimmt ihre Fähigkeit Eier zu legen ab, wandern sie in den Suppentopf!
Sind wir uns bewusst, dass z.B. in Deutschland zum „Nachschub von Legehennen“ jährlich 90 Millionen Eier ausgebrütet werden, von denen jedoch naturgemäß nur die Hälfte weibliche Küken sind, die zur Eierproduktion in Frage kommen. Die „unbrauchbaren“ männlichen 45 Millionen werden aussortiert und kommen
lebendig in den Fleischwolf oder in die Gaskammer!
Sind wir uns bewusst, dass eine Kuh nur deshalb Milch gibt, weil sie ein Kalb damit stillen soll? Dass ihr aber das Kälbchen genommen wird, weil es bis zum Schlachtgewicht schnell gemästet werden muss, und dass daher die überschüssige „Muttermilch“ uns als Verbraucher jetzt zur Verfügung steht? Wissen wir um das Leid der „industriellen“ Milchkühe, die mit Rieseneutern oft kaum mehr stehen können und von einem tiergerechten Leben dank der Menschen noch nie eine Ahnung hatten? Wissen wir, dass Milchkühe künstlich befruchtet oder mit chemischen Pheromonen zu unnatürlicher Zeugungsneigung angeregt werden müssen, um immer wieder und möglichst oft neue Kälber zu gebären, damit sie auch weiter Milch für uns geben können?
Sind wir uns bewusst, dass ohne die groteske Fleischindustrie niemals genügend Kühe vorhanden wären, um aus ihrer Milch die Tausende von Käsesorten zu produzieren, die wir im Schlaraffenland der Käsetheken vorfinden?
Sind wir uns also bewusst, dass Käse und Butter auf eine Milchwirtschaft zurückgreifen, die bald einmal als bestialisch bezeichnet werden muss?
Sind wir uns bewusst, dass eine Kuh, die zur Fortpflanzung gezwungen wird, nach Menschenalter gerechnet, etwa 9-jährig, also eben gerade geschlechtsreif geworden ist?
Sie würde ein Kälbchen auf der Weide ungefähr 6 bis 12 Monate säugen und dabei nur so viel Milch geben, wie das Jungtier braucht. 1940 ergab eine Milchkuh 3000 Liter Milch im Jahr. Mit den automatisierten Melkanlagen, den Wachstumshormonen als Futterzusatz und den mehrmaligen Schwangerschaften erreicht die industrielle „Tierhaltung“ heutzutage 6000 bis 10000 Liter Milch pro Jahr von einer einzigen Kuh. Dazu muss sie aber vier- bis fünfmal am Tag gemolken werden. Der tägliche Energieaufwand einer solchen Milchkuh entspricht einer menschlichen Leistung von sechs Stunden Jogging - täglich! Nach vier bis fünf Jahren, fünf Schwangerschaften und 50000 Litern Milch können die Tiere nicht mehr. Sie sind entweder krank oder völlig erschöpft. „Milchkuh-Lahmheit“ heißt es dann im Fachjargon - und es geht zum Schlachthof. Eine Kuh lebt jedoch normalerweise 20 bis 25 Jahre; sie wird also im blühenden Menschenalter von ca. 25 Jahren getötet ...
Erklären Sie all dies einmal
Ihren Kindern und -
warten Sie ihre Reaktionen ab ...
Sie werden erstaunt sein!
Wenn wir eine Menschheit sein wollen, die nicht nur vom Frieden und von der Gerechtigkeit in der Welt
spricht, sondern - wie immer wieder und zu Recht gerade von den Jüngeren gefordert wird - den großen Worten auch entsprechende Taten folgen lässt, dann müssen wir den Frieden auch in der Landwirtschaft und im Umgang mit den Tieren wiederherstellen und uns entsprechend verhalten. Und zwar nicht nur gelegentlich, sondern immer! Daran führt kein Weg vorbei. Ethik und Moral sind nicht beschränkbar, sie sind nicht relativierbar!
Der Mensch ist entweder ein ethisch-moralisch
verantwortungsbewusstes Wesen oder - eine Bestie!