Kein Wandel ohne Rüttler! Wenn wir auf neue Informationen oder Einsichten stoßen, welche unsere alten Traditionen und Gewohnheiten in Frage stellen, dann reagieren wir gewöhnlich mit Ablehnung und Empörung. Je stärker sich diese innere Revolte manifestiert, umso bedeutungsvoller scheint sie für die weitere Entwicklung unserer Persönlichkeit zu sein. Mögen wir uns noch so sehr gegen einen bevorstehenden Wandel unserer Ansichten und Verhaltensformen wehren, – er wird uns ganz einfach nicht in Ruhe lassen. Die Gedanken und Herausforderungen kommen immer und immer wieder auf uns zurück und früher oder später geben wir doch nach und – sind bereit zu lernen!
Kein echter Wandel erfolgt jedoch ohne einen Rüttler!
Solche Erschütterungen sind für viele auch die Bücher und Publikationen von John Robbins „Ernährung für ein Neues Jahrtausend“ und „Food Revolution“.
Lesen Sie, wie es einem Vater mit einem solchen Rüttler ergangen ist, und was er an John Robbins danach schrieb:
Sehr geehrter Herr Robbins,
Ihr Buch „Ernährung für eine neues Jahrtausend“ hat auf meine Familie einen enormen Einfluss gehabt. Vor etwa 2 Jahren hätte ich Sie dafür umbringen können. Lassen Sie mich erklären warum:
Ich bin ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Ich bin mich gewöhnt, dass die Dinge so geschehen, wie ich es mir vorstelle. Als meine Tochter Julie noch ein Backfisch war, wollte sie unbedingt Vegetarierin werden. Sie hatte Ihr Buch gelesen. Ich fand dies lächerlich und bestand darauf, dass sie mit diesem Quatsch aufhöre. Als sie mir nicht gehorchen wollte, wurde ich zornig. „Ich bin Dein Vater“, sagte ich ihr „und ich kenne mich besser aus, als Du“.
„Ich bin zwar Deine Tochter“, gab sie mir zur Antwort, „aber es ist mein Leben!“
Wir hatten viele Auseinandersetzungen über diese Angelegenheit. Wir kamen immer weniger miteinander aus, und es entwickelten sich große Spannungen zwischen uns, die sich immer über diese endlosen Diskussionen über den Vegetarismus zuspitzten. Es machte mich wahnsinnig. Meiner Meinung nach war sie respektlos und eigensinnig und wollte nur ihren Willen durchsetzen. Dasselbe sagte sie über mich.
Anfangs zwangen sie meine Frau und ich, Fleisch zu essen, aber dann machte sie schließlich darüber einen solchen Aufruhr, dass die Mahlzeiten jedes Mal völlig verdorben waren. Im Laufe der Zeit gaben wir notgedrungen nach und ließen sie ihre vegetarischen Gerichte essen. Aber ich ließ sie wissen, wie ich dazu stand. Es ist in Ordnung ein Idealist zu sein, erklärte ich ihr, aber man muss dennoch mit den Füssen auf dem Boden bleiben. Es ist in Ordnung, ein Rechtsanwalt zu sein, hielt sie dagegen, aber man muss das Herz offen halten. Es war schrecklich zermürbend.
Zu einem meiner Geburtstage bereitete sie mir das Frühstück im Bett. Aber es gab keinen Speck, keine Würstchen, nicht einmal Eier. Eine neue Schreckenssituation bahnte sich an.
Ich erinnerte sie, dass es mein Geburtstag war, nicht der ihre. Dann fing sie an, mir über die Behandlung all der Schweine und Hühner zu berichten, indem sie Kapitel und Zitate aus Ihrem Buch vorlas. Das war nicht gerade das, was ich früh morgens an meinem Geburtstag hören wollte.
Nach ihrem Abitur zog Julie von zu Hause aus. Ich war froh, in der Tat, da ich von allem endgültig genug hatte. Jede Mahlzeit war das gleiche Drama. Ich wollte, dass sie Fleisch aß und sie wollte es eben nicht. Sie wollte, dass ich mit dem Fleischessen aufhörte, und das wollte ich eben nicht. Es gab einfach keinen Frieden mehr. Aber nachdem sie gegangen war, vermisste ich sie. Nicht etwa die Diskussionen – oh nein – aber ich vermisste sie weit mehr, als ich mir gedacht hatte.
Nach einigen Jahren, fand Julie einen Ehemann und nach kurzer Zeit wurde sie schwanger. Nachdem unser Enkel zur Welt gekommen war, war ich völlig entzückt. Aber – leider – war dies von kurzer Dauer. Natürlich wollte Julie ihren Sohn, unseren Enkel, vegetarisch erziehen. Doch diesmal trat ich härter auf. „Du kannst Dein Leben zu Grunde richten, wenn Du das willst“, sagte ich ihr, „aber Du kannst nicht einfach die Gesundheit dieses unschuldigen Kindes aufs Spiel setzen“. In meinen Augen grenzte ihr Verhalten an Kindsmissbrauch. Ich war drauf und dran, die Behörde für Kinderschutz anzurufen. Ich dachte sie würden entweder meine Tochter zwingen, unseren Enkel richtig zu ernähren oder ihn aus ihren Fängen befreien. Dass ich es nicht tat, liegt nur daran, dass meine Frau mich daran hinderte, diesen Schritt zu tun.
Während ich es gerade noch (knapp) ertragen konnte, dass Julie Vegetarierin war, konnte ich es einfach nicht akzeptieren, dass sie dies unserem Enkel antun wollte. Im Laufe der Zeit wurde es zwischen uns so schlimm, dass sie mir völlig fern blieb. Nicht nur hatte diese blödsinnige vegetarische Besessenheit die Beziehung zu meiner Tochter ruiniert, jetzt kostete sie mich auch noch den Kontakt zu meinem Enkel, da sie ihn weder bei mir vorbeibrachte, noch zuließ, dass ich ihn besuchte. Ich war völlig abgeschnitten.
Ich dachte mir, dass ich unbedingt versuchen musste, die Tür zu ihr offen zu halten, und so ließ ich sie über meine Frau fragen (zu dieser Zeit sprach sie nicht einmal mehr mit mir), was sie sich zum Geburtstag wünschte. Sie ließ ausrichten, dass sie sich am meisten wünschte, dass ich Ihr Buch „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ lese. Ich erklärte, dass dies unmöglich, da viel zu zeitaufwendig sei. Doch sie meinte, dass ich für jede Stunde, die ich mit der Lektüre des Buches verbringen würde, eine gleiche Anzahl Stunden mit meinem Enkel verbringen könnte. - Sie ist raffiniert und sie weiß, wo meine Schwachstellen sind.
Also, Herr Robbins – ich habe Ihr Buch gelesen. Das ganze Buch, jedes einzelne Wort. Was mich am meisten beeindruckt hat, war Ihre Schilderung, wie die Tiere heutzutage gehalten werden. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es so schlimm ist. Es ist grauenhaft, und ich bin mit Ihnen völlig einverstanden, dass dies so nicht weitergehen darf. Ich erkenne Grausamkeit, wenn ich sie sehe – und diese ist extrem.
Ich bin sicher, dass sie solche Beteuerungen schon oft gehört haben, aber ich habe noch nie ein Buch gelesen, das mich so erschüttert hat, wie dieses. Ich bin überwältigt.
Ich rief Julie an, als ich mit der Lektüre des Buches zu Ende war. „Ich habe Dir doch gesagt, dass Du mich nicht anrufen sollst“, sagte sie, sobald sie meine Stimme erkannte. „Ja doch“, erwiderte ich, „aber ich habe das Buch gelesen, und ich möchte, dass Du zum Abendessen herüberkommst und den Jungen mitbringst“.
Herr Robbins, ich bin ein stolzer Kerl und was ich danach gesagt habe, kam nicht leicht über meine Lippen. Aber ich wusste, was zu tun war, und so sprach ich: „Meine liebste Julie, bitte vergib mir. Es wird keinen Zank geben, wenn Du zu uns kommst. Ich habe einen furchtbaren Fehler gemacht und ich verstehe dies, jetzt. Wenn Du kommst, wird es kein Fleisch geben, für niemanden“.
Am anderen Ende der Leitung war Stille. Ich habe später erfahren, dass sie weinte, aber dies wusste ich in diesem Augenblick nicht. Ich wusste nur, dass ich noch etwas sagen musste. „Und in diesem Haus wird nie wieder Fleisch serviert werden“, erklärte ich ihr „das von diesen Tier-Fabriken kommt“.
„Ist das ein Scherz?“ fragte sie ungläubig.
„Ich mache keine Scherze“, sagte ich, „es ist mir ernst“. – „Wir sind unterwegs“, rief sie.
Und es war mir wirklich ernst. Seit jenem Tag wird hier kein Fleisch mehr aufgetragen. Wir kaufen einfach keines mehr. Julie bringt uns bei, wie man vegetarische Burgers macht, Tofu und eine Vielzahl anderer Dinge, über die ich mich immer lustig gemacht hatte. Ich habe überhaupt nichts mehr dagegen. Es ist für mich zu einer Art Abenteuer geworden.
Seit diesen Tagen sind sie zu vielen fröhlichen Abendessen und auch zu anderen glücklichen Zusammenkünften zu uns gekommen. Herr Robbins, können Sie verstehen, was dies für mich bedeutet? Ich habe meine Tochter zurückbekommen, und auch meinen Enkel!
Meine Tochter ist ein wunderbarer Mensch. Und unser Enkel hat noch keine einzige Erkältung oder Ohrenentzündung oder irgendeine andere Krankheit gehabt, welche bei Kindern so häufig sind. Sie sagt, das komme davon, dass er sich so gesund ernähre. Ich sage, das komme davon, dass er die beste Mutter der Welt habe.
Was mit diesen Tieren geschieht ist falsch, schrecklich und entsetzlich falsch. Sie haben Recht. Tiere dürfen niemals so behandelt werden. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals. Niemals!
Ich verspreche hiermit Ihnen, was ich schon Julie versprochen habe. Über meine Lippen wird nie wieder ein Bissen Fleisch gehen, der von Tieren stammt, die so behandelt wurden.
Nun, wenn Julie jetzt sagt, dass die Tiere ihre Freunde seien und dass sie ihre Freunde nicht auffrisst, dann beginne ich kein Streitgespräch mehr, wie früher. Ich lächle nur und bin glücklich, dass ich mit einem so besonderen Menschen nicht mehr im Streit lebe. Und ich bin glücklich darüber, dass ich meinem Enkel in die Augen sehen kann und mir dabei bewusst bin, dass ich mithelfe, für ihn die Welt ein bisschen besser zu machen.
Mit großer Achtung
(Name auf Wunsch unveröffentlicht)
Brief abgedruckt mit freundlicher Genehmigung von John Robbins http://www.foodrevolution.org
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